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Ist das Kunst oder kann das weg?

Oktober 12, 2010

Diese Frage ist zwar nicht meinem Hirn entsprungen, sondern existierte schon vor diesem Artikel, aber sie hätte durchaus von mir kommen können, als ich mich vor einigen Tagen in einer Kunstausstellung  befand. Genau genommen hätte die Frage in meinem Fall wohl umformuliert werden müssen: „Ist das noch der Fußboden oder trampel ich gerade auf dem Ausstellungsstück herum?“ Aber dazu später.

Jedenfalls findet momentan eine von den Feuilletons der Republik fleißig rezensierte  Ausstellung in Düsseldorf namens „Parallelprozesse“ statt, die Joseph Beuys Lebenswerk ausstellt. Joseph Beuys…Beuys…Beuys…wer war das doch gleich? Ich muss zugeben, dass selbst ich, die ich schon eine höhere zweistellige Zahl an Kunstmuseen von Innen gesehen habe, Beuys vor de Ausstellung nicht kannte. Obwohl er als „einer der bedeutendsten Künstler der Nachkriegszeit“ gilt.  Wobei man den Ausdruck „einer-der-bedeutendsten-Irgenwasse“ schon so oft gehört hat, dass einen das Gefühl beschleicht, man könne sich heutzutage für diesen Titel auch nicht mehr viel kaufen.

Egal. Auch wenn den meisten Menschen bei der Nennung des Namens Beuys wohl nicht spontane Erinnerungskaskaden im Hirn sprudeln, so könnte man doch einige seiner Werke kennen. Berühmtheit erlangte vor allem die so genannte „Fettecke“. Diese bestand aus einem Stück Fett, das unterhalb der Zimmerdecke in der Ecke eines Raumes befestigt war. Als vier Jahre nach der Erstellung der Hausmeister der Kunstakademie, in der die Fettecke hing, die Butter von der Wand kratzte und damit das Werk zerstörte, wurden als Entschädigung 40.000 damals noch D-Mark gezahlt. Ich sag mal so: Wenn solch eine Fettecke um die 40.000 DM wert ist, dann hat meine Küche einen Schätzwert von 160.000 Euro.

Wie dem auch sei: Die Fettecke war jedenfalls nicht ausgestellt, da ja wie berichtet bereits von der Wand gekratzt.  Doch Beuys schien ein recht fleißiger Künstler gewesen zu sein, sodass 300 andere Arbeiten von ihm noch in Düsseldorf zu sehen sind: Zeichnungen, Bilder, vor allem aber Skulpturen und ganze Rauminstallationen. Der Vorteil der Bilder war, dass sie in einen Rahmen gesperrt und somit sofort als Kunst erkennbar waren. Was man von einigen Rauminstallationen hingegen so nicht ohne weiteres behaupten kann. Und so kam es, dass ich mich einem Sammelsurium von geschmiedeten Gegenständen näherte, die auf dem Boden lagen, als mich die Museumswärterin anzischte: „Sag mal, geht’s noch?!?“ Ihre ausgestreckte Hand wies bedeutungsschwanger auf ein Stück Panzertape, das  auf den Bodenfliesen klebte. Was ich natürlich nicht sofort sehen konnte, schließlich stand ich ja direkt darauf.

 

In diesem Ausstellungsstück gilt es den Hirsch zu finden.

 

Nun ja. Moderne Kunst eben. Doch will ich hier nicht den Eindruck erwecken, ich wäre zeitgenössischer Kunst gegenüber nicht aufgeschlossen. Keineswegs. Ich habe durchaus Respekt vor Beuys Arbeit und finde einige Teile wohl auch sehr faszinierend. Obwohl ich nicht umhin kam, mich beim Hören des Audioguides zu fragen, ob sich die Interpretatoren im Nachhinein nicht mehr Gedanken machen als der Künstler im Vorfeld. Aber alles in allem kann ich einen Besuch der „Parallelprozesse“ nur empfehlen.  Tipp am Rande: Bei ernsthaften kunstsoziologischen Betrachtungen ist es durchaus ratsam, sich vertrauensvoll an den umherstehenden Museumswärter zu wenden.  Auf meine Frage beim vorletzten Ausstellungsstück, das sich größtenteils aus Restmetallbeständen zusammensetzte, wo im Kunstwerk denn der Hirsch zu finden sei, bekam ich folgende Antwort: „Der Hirsch ist da, wo immer du ihn sehen willst.“

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  1. barde Permalink
    Oktober 28, 2010 11:09 am

    Hm, auch wenn sich die einem tieferen Sinn zu Grunde liegenden Kunstobjekte dem geneigten Beobachter anmutig im gleißenden Licht der Ausstellungshalle in aufregender und faszinierender Weise präsentieren, so muss ich zum Thema zeitgenössische Kunst sagen: Kann weg!

    Wo sind die farbenfrohen, lebendigen und fast romantisch wirkenden Impressionen selbiger Epoche, die dem sich in sie verliebenden Betrachter ein Bild von dem vermitteln, was so genannte zeitgenössische Kunst auf zum Teil höchst fragwürdige Art vorenthalten zu vermag?

    Nein, nein…

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