Arschbombe aus 40 Metern
Wenn es um bekloppte Sportarten geht, denke ich intuitiv an andere Länder:
Finnland zum Beispiel mit seinem Gummistiefelweitwurf. Haben im 19. Jahrhundert einst Seeleute ihre Schuhe durch die Gegend geworfen (nun gut, auf so einem Boot wird es ganz schön langweilig gewesen sein), so gibt es mittlerweile den Weltverband im Gummistiefelweitwurf. Dazu ein Regelwerk, das vorgibt, welche Schuhgröße das Wurfobjekt haben muss – nämlich 43 für Männer und 38 für Frauen. Oder ich denke an Amerika, wo menschliche Michelin-Männchen LKWs hinter sich herziehen. Vielleicht denke ich noch kurz an die Schweiz, weil einem in so einem Tal quasi gar nichts anderes übrig bleibt, als ein wenig sonderlich zu werden.
Aber denke ich an Deutschland? Nein, ganz bestimmt nicht! Schließlich fallen wir in internationalen Sportwettbewerben selten durch Anmut, Grazie oder Kreativität auf, sondern kämpfen uns einzig mit preußischer Disziplin an die Spitze. Und in so einem Land soll es Fun-Sportarten geben?
Durchaus! Der Arschbombe-Wettbewerb zum Beispiel, der in diesem Jahr in Würzburg ausgetragen wurde. Eine Arschbombe ist zunächst mal ein Sprung ins Wasser, bei dem man mit dem Po zuerst im Wasser aufkommt. Das kennt jeder, der als Kind einmal vom Dreimeterbrett gesprungen ist. Doch die Veranstalter geben sich alle Mühe, die Arschbomben-WM nicht als Funsport-Spektakel erscheinen zu lassen, sondern dem Arschbomben einen ernsthaften Anstrich zu geben. Es fängt ja schon damit an, dass es gar nicht „Arschbomben“ heißt, sondern „Splashdiving“. Ziel des Splashddivings ist es, im Gegensatz zum Kunst- oder Turmspringen, das Wasser beim Aufprall möglichst hoch spritzen zu lassen.
Offiziell gibt es 13 verschiedene Sprünge, die je nach Landeposition unterschiedlich benannt sind, zum Beispiel „Kleine Katze“, „Kartoffel“ oder „Kanonenball“ – eigentlich natürlich auf Englisch, schließlich reden wir hier von einer echten Weltmeisterschaft. Naja, sehen wir einmal großzügig darüber hinweg, dass ein Großteil der 50 Teilnehmer aus Deutschland kam und die Austragungsorte sich auch bislang auf Deutschland beschränkten. Aber WM ist schließlich WM.
Doch – ich will ja gar nicht spotten: Schließlich zeigten die Springer beeindruckende Sprünge mit Schrauben und Saltos vom 10-Meter-Brett, die natürlich in einer Arschbombe endeten. Und wenn man bedenkt, dass die Aufprallgeschwindigkeit aus 10 Metern 60 km/h beträgt, was dem Aufprall eines Sprunges aus zwei Metern Höhe auf Asphalt entspricht, so möchte ich bei der WM nicht mitmachen.
Wer physikalisch gebildeter ist als ich, der kann jetzt mal ausrechnen, welche Aufprallkraft eine Arschbombe aus 40 Metern hat. – Denn das war der Höhepunkt der Splashdiving-WM. – Oder statt zu rechnen einfach das Video ansehen: