“Wir machen auch jeden Scheiß mit, nur weil er kostenlos ist.”
Studenten und Rentner haben, so meine Feststellung, mehr gemeinsam, als ihnen lieb ist. Ja, in Wahrheit legen beide sogar die gleichen Verhaltensweisen an den Tag. Ich rede jetzt nicht einmal davon, dass Studenten und Rentner bis in die Puppen wach bleiben (Stichwort „juvenile“ bzw. „senile Bettflucht“) und überdurchschnittlich häufig dem Alkohol zusprechen (Stichwort „Komasaufen“ bzw. „Omasaufen“). Nein, die wohl größte Gemeinsamkeit ist ihre wahnhafte Suche nach allem Kostenlosen.
Um diese Feststellung zu treffen, ist Würzburg gerade der richtige Ort. Denn Würzburg besteht zur einen Hälfte aus Studenten und zur anderen aus Rentnern. Deshalb sind Semesterferien in Würzburg so trist, denn dann mutiert die Stadt zum wohl größten Altersheim der Welt.
Aber wie dem auch sei, ich sprach von der wahnhaften Suche nach Kostenlosem – konkret von der brotlosen Kunst, die, wie der Name schon sagt, per se brotlos, in Würzburg aber grundsätzlich umsonst ist. Umsonst deshalb, damit zu den Aufführungen überhaupt jemand kommt. Studenten und Rentner zum Beispiel. Und da ich mich selbst zum Studentenpack zähle, pilgere ich seit dem ersten Semester zu jedem Studententheater, das an der Mensa plakatiert ist.
Doch mit kostenlosen Dingen ist es wie mit Geschenken, dem Leben oder eben der berühmten Pralinenschachtel: Man weiß nie, was man bekommt.
Und manchmal bekommt man nicht die Nougatpraline, sondern eher die Pistazie-Marzipan. Vor einigen Wochen zum Beispiel. Damals starrte ich auf eine Bühne, auf der nichts geschah, außer dass sich vier Gestalten ununterbrochen anschrien und zwei davon in einer Mülltonne saßen, und versuchte, den tieferen Sinn dahinter zu erkennen. Schon meine Mama hatte mich immer vor absurdem Theater gewarnt. Aber wie heißt es so schön: Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul. Für lau lässt man sich auch eben mal eineinhalb Stunden anschreien.
Was für Theateraufführungen gilt, stimmt natürlich auch für Musikveranstaltungen. Es gibt in Würzburg ja mehr Musikstudenten als Zuhörer, könnte man meinen. Die Studenten üben so lange in ihrem Kämmerchen, bis sie was können und dann suchen sie wie verrück nach Leuten, die ihnen zuhören und danach klatschen. Studenten und Rentner zum Beispiel. Deshalb veranstalten sie Konzerte –kostenlos, natürlich.
So kam es, dass ich vergangene Woche in einem Musiksaal saß, einem fünfzigköpfigen Schulchor beim Afrikanischen Volkslied-Singen zuhörte und Tobi (Student – natürlich) mir ins Ohr raunte: „Wir machen auch jeden Scheiß mit, nur weil er kostenlos ist.“ Womit er im Wesentlichen den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Neben mir saßen im Übrigen zwei Rentner-Damen, die Kostenlos-Kultur-Hopping offensichtlich professionalisiert hatten. Sie waren mit dem Monatsprogramm der Musikhochschule angerückt und tauschten sich nun darüber aus, welche Konzerte (kostenlos – natürlich) sie an in der kommenden Woche besuchen wollen. Es war jeder Tag angestrichen.
Wie groß die Auswüchse der Gratiskultur in Würzburg sind, beweist eines ganz eindeutig: Wo sonst, wenn nicht in Würzburg, könnte es ein dreitägiges Umsonst-und-Draußen-Festival geben?
omasaufen? wie geil!
deutsche Volkslieder wären bestimmt schöner gewesen!
Gruß Walter
Qualität hat eben ihren Preis…
Ach, unsere AMV-Chorauftritte waren doch auch immer kostenlos. Willst du etwa sagen, die hätten keine Qualität gehabt
Darüber ließe sich nun vortrefflich streiten
Bist du eigentlich wieder dabei?
Haha, nein ich glaube wir sind uns einig, dass die AMV-Auftritte keine Qualität hatten… *gg* Ich kam ja erst vor vier Wochen wieder nach Wü, mal sehen vielleicht nächstes Semster wieder.