Der Wohnungssuche zweiter Teil
Ja doch ich liebe Hunde. Kinder – kein Problem. Katzen? Meine liebsten Zimmergenossen Was das Zusammenleben mit allen möglichen Lebewesen betrifft, die so landläufig durch Wohnungen kreuchen und fleuchen können, habe ich meine Toleranzschwelle in den vergangenen Wochen doch erheblich erweitert. Mit Hilfe von ehrlichen Wohnungsanzeigen habe ich mich möglichst schonend auf die schlimmsten Szenarien vorbereitet. Jawohl. Nachdem ich also moralisch bereit war, machte ich mich auch körperlich auf in die Hauptstadt, um mir meine zukünftige Wohnung anzuschauen. Doch nicht haarige Katzen waren das Problem. Oh nein! Ich musste lernen, dass künftige Zimmer-Vermieter ganz andere Sorgenkinder haben als ihre Haustiere. Berliner hängen vielmehr an ganz anderen Lebewesen: ihre Zimmerpflanzen.
Und wer nicht innerhalb von zwei Tagen eine „Wir haben uns bedauerlicherweise für jemand anderes entscheiden!“-SMS bekommen möchte, der sollte bei Wohnungsbesichtigungen definitiv folgenden Satz vermeiden: „Hmmm naja, also mit Pflanzen hab ich’s ja nicht so.“ Das war mir allerdings noch nicht so recht bewusst, als die Aussage das erste Mal über meine Lippen kam.
Die Reaktion der peniblen, jungen Hoffentlich-Vermieterin war … nun… alles andere als erfreulich für mich. Sie erblich und stotterte: „Ach so… ja, das ist schon ungünstig.“ Dabei hatte sie nur zwei lausige Bäumchen rum stehen. Meine Versicherung: „Naja, für acht Wochen krieg ich das schon irgendwie hin. Bisschen Wasser, das kann ja nicht so schwer sein.“ Machte die Sache eher noch viel schlimmer. „Ja, und was ist mit Düngen? Und Unkraut zupfen und abspritzen und so?“, fragte mich meine potentielle Zwischenvermieterin verständnislos. Irgendwie war mir nach diesem Gespräch klar, dass ich mich auf die Schwarze Liste katapultiert hatte.
Nun, wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht nur den bösen Satz gesagt, sondern mir fiel auch noch eine passende Anekdote aus meiner früheren Berliner WG ein. Eine Pflanze, die mir anvertraut worden war, konnte ich trotz intensiver Verhätschelung nicht dazu bewegen, aufzuhören, jeden Tag 100 Blätter zu verlieren. Bei der Wohnungs-Rück-Übergabe hingen noch genau drei dürre Blättchen an den knorrigen Zweigen. Ich fand’s lustig, die penible Dame hingegen nicht. Die Absage für diese WG war danach nur noch eine Frage der Zeit.
Dass die zweite Berliner WG erst gar keine Blumen im Zimmer hatte, kam mir sehr entgegen. Was allerdings bedauerlicherweise zur Folge hatte, dass ich das Zimmerblumen-Debakel beim Besuch der dritten WG bereits erfolgreich verdrängt hatte. Auf die Frage, welche Macken ich hätte oder was an mir schlecht sei als Zwischenmieterin, antwortete ich wahrheitsgetreu: „Hmmm naja, also mit Blumen und Pflanzen hab ich’s nicht so.“ Der potentielle Vermieter schaute ein bisschen traurig seine groß gewachsenen Stauden an. „Nun, vielleicht kann ich ein paar davon zu meinen Eltern bringen.“ Ja, besser is’, dachte ich leise bei mir, während ich ihm zeitgleich das Gegenteil versicherte: „Ach i wo. So ein Aufwand. Das krieg ich schon hin.“ Diesmal konnte ich mir die lustige Anekdote noch gerade so verkneifen.
Als ich nun einige Tage später wieder aus Berlin zurückkehrte, fiel mein Blick auf den kümmerlichen Pflanzenrest, der auf meinem Fensterbrett vor sich hin vegetierte. Natürlich hatte ich vergessen, vor den Tagen meiner Abwesenheit dem Stock genügend Wasser zu geben.
P.S.: In Ergänzung eines anderen Beitrages über das Ableben meines Weihnachtsbaumes: Einen skrupellosen Mordversuch habe ich nicht übers Herz gebracht. Nachdem ich jedoch versehentlich gegen mein Fensterbrett gerumpelt bin und der Erd-Ersatz samt der drei Hälmchen auf dem Boden verstreut lag, musste ich den hoffnungsvollen Christmas-Tree aufsauen.