Da lebt man so fröhlich vor sich hin, ist kein Kind von Traurigkeit. Auf einmal stößt man auf einen Text – so wie ich eben bei jetzt.de – und einem gehen die Augen auf: Jawohl! Genau so ist es doch! „Das klassische Date ist tot“, lautet die Aussage des Textes. Und hey, verdammte Kacke, auch wenn es mir noch nie aufgefallen ist, die Autorin hat Recht!
Appell: Lesen! (hier online eine gekürzte Form – Der Text war an manchen Stelle ein wenig langatmig)
Man telefoniert sich zusammen, schaut mal und später stößt man vielleicht dazu. Dabei war doch eigentlich mal anders, wenn man küssen wollte. Damals nannte man es Date.
Neulich, gegen ein Uhr nachts in einer Bar: Das Handy einer Freundin machte Piep. Ein Typ, den sie ganz gut fand, hatte ihr folgende SMS geschickt: „Ich bin in der Bar XY was trinken. Bist zu zufällig in der Gegend?“ Die Botschaft zwischen den Zeilen war nicht schwer zu enträtseln. Die Art, sie vorzubringen aber auch nicht sonderlich einladend. Trotzdem wechselten wir die Bar. Auf dem Weg dorthin fragten wir uns, wann das letzte Mal eine Beziehung oder eine Affäre mit einem fest verabredeten Stelldichein angefangen hat. So mit geplanter Unternehmung und tagelanger Vorfreude. Da dämmerte es uns: Das Date ist tot.
Als es noch Bestandteil eines normalen Wochenendes war, folgte ein Date einer gewissen Dramaturgie. Über den Ablauf herrschte stillschweigendes Einvernehmen: Ansprechen, Nummer austauschen, zwei Tage später anrufen, Date am Wochenende klarmachen, Programm starten.
Der klassische Weg einer Annäherung begann mit einem gemeinsamen Kinobesuch. Drohte, der Abspann zu nahen und die Hände waren immer noch zentimeterweit voneinander entfernt, wusste man, dass demnächst etwas passieren musste. Der zweite Klassiker: Essen gehen. In trauter Zweisamkeit versuchte man, seinen Thai-Curry im Mund zu behalten und währenddessen sich verkrampft die Neuerscheinungen auf dem Musikmarkt vorzutragen. Ob die Konversation auf Autopilot lief oder die Floskeln auswendig gelernt waren („Ich mochte von Coldplay nur das Parachutes-Album“), war nicht wichtig.
Längst ist die manifeste Absicht, die hinter so einer offiziellen Verabredung steckt, einer indifferenten Wurstigkeit gewichen, die uns überallhin begleitet, sei es bei der Berufswahl oder bei der Frage, was man von der Karte bestellen soll. Gerade im zwischengeschlechtlichen Bereich hat sich undefinierbares Herumeiern als eine bequeme und sehr praktikable Haltung erwiesen. Die Tür, die einst ins Haus fiel, öffnet man nur noch sehr langsam – immer mit der Option im Hinterkopf, sie bei Bedarf schnellstmöglich wieder zuknallen zu können. Zum Beispiel teilt man dem Objekt der Begierde mit, dass man mit Leuten unterwegs ist, es gerne aber noch „dazu stoßen“ kann – im Dunstkreis seiner Freunde verfügt man immer über ein Sicherheitsnetz, das eventuelle Pannen abfedert.
Oder: Anstatt anzurufen, was einer Selbstentblößung nahe kommen wurde, taktiert man sich in einer langwierigen Prozedur mit SMS und ICQ-Nachrichten zu einem Treffen hin, das nach außen weiter den Schein des Beiläufigen wahren soll.
An dieser Stelle fällt es wirklich schwer, nicht in die redundante Handy-Schimpf-Falle zu tappen. Ständige Erreichbarkeit schafft eben die Notwendigkeit ab, offen kund zu tun, was im Schilde geführt wird. Man kann mal schauen, nachher durchklingeln, vielleicht noch vorbeikommen. Wenn der andere am Apparat auf den Standard-Opener „Was machst du später so?“ nicht mit „Nichts wirklich. Wieso fragst du?“ antwortet, sondern tatsächlich wichtige Beschäftigungen aufzählt, wird man eher nicht eine baldige Zusammenkunft vorschlagen.