In jedem Arzt steckt ein kleiner Sadist – in manchen auch ein großer.
Der Gang zum Arzt soll keinen Spaß machen. Deshalb hat die Ärztekammer an all seine Doktoren ein internes „Die 1000 Tipps & Tricks“-Heft herausgegeben. Darin ist verzeichnet, wie die Mediziner todsicher das ganz besondere „Doktor-Flair“ in ihre Praxis zaubern können:
1. Legen Sie in Ihrem Wartezimmern bloß keine „Bunte“, „Gala“, „motor auto und sport“ oder „kicker“ aus. Solche Presseerzeugnisse locken gerade ältere Frauen und Arbeitslose an. Stattdessen empfehlen sich Zeitschriften wie „Horse and Hound“ oder „Die Apotheken Umschau“.
2. Bebildern Sie Ihre weiß getünchten Wände mit medizinischen Postern. Gerne gesehen sind Nahaufnahmen von Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs. Auch Genitalwarzen und Fußpilz im Endstadium geben Ihrem Wartezimmer die richtige Atmosphäre.
3. Legen Sie Flyer mit einem Verzeichnis von Krankheitssymptomen aus: Blässe, Kopfschmerzen, Herzklopfen und Müdigkeit sprechen beispielsweise eindeutig für Blutarmut. Sie werden staunen, wie rasch die Zahl der Blutarmut-Patienten in Ihrer Praxis ansteigt.
4. Besonders bei Zahnärzten empfiehlt es sich, Patient am Heilungsvorgang teilhaben zu lassen. Denn gerade der Mundraum ist ohne helle Leuchte und Vergrößerungsspiegel unüberschaubar. Zeigen Sie ihm deshalb in der Praxis, was mit dem Patienten geschieht. Neben dem Spiegel bieten sich hierfür moderne Geräte wie winzige Digitalkameras oder Kameras an. Leiten Sie die Gegenüberstellung mit „Ich zeig Ihnen das jetzt einmal“ ein. Wer wollte schließlich nicht den zur Hälfte weg gebohrten Zahn in 35-facher Vergrößerung auf einem Bildschirm sehen?
5. Beweisen Sie Humor! Legen Sie sich einen gewissen Vorrat an Mediziner-Witzen zu. Wenn der Tuberkulose-Patient ein wenig beklemmt dreinschaut, lockern Sie die Stimmung beispielsweise mit folgendem Witz auf. „ Letzte Woche hat mich einer gefragt, ob es besser sei. Millionär zu sein oder an Tuberkulose zu erkranken. Ich habe geantwortet, es sei besser, an Tuberkulose zu erkranken. Denn Millionäre müssen alle sterben, aber an Tuberkulose sterben gerade mal zehn Prozent aller Menschen.“
6. Dramatisieren Sie nur nichts! „Ein Mückenstich ist schlimmer“ nimmt jedem Patienten die Angst vor einer Spritze. Lassen Sie keine Einwände gelten! Sätze wie „Aber eine Stechmücke stochert nicht drei Minuten lang in meiner Armbeuge nach einer Vene, bis sie Blut gezapft hat“ zeugen von unkooperativen Patienten, nicht aber von unfähigem Personal. (Lesen Sie zur Sicherheit bitte dennoch nach Praxisschluss in ihrem Medizinbuch 1. Kapitel: „Wie setze ich eine Spritze“)
7. Merken Sie sich: Ein Patient ist niemals geheilt. Er ist höchstens noch nicht richtig untersucht. Drücken Sie also Ihrem Patienten nach Abschluss der Behandlung einfach einen Blutarmut-Flyer aus dem Wartezimmer mit folgenden Worten in die Hand: „Zum mit nach Hause nehmen. Lesen Sie es sich einfach mal in Ruhe durch. Meine Nummer haben Sie ja.“
Bildquelle: http://images.zeit.de/bilder/2005/51/wissen/metabolismus_300.jpg