Bam – Bam – Bam, die Beats hämmern durch den Kopf, pulsieren an Schläfen, durchzucken Arme und Beine. Mein Körper bebt. Licht durchflutet mich. Der DJ ist unser Gott des Abends und wir seine Marionetten.

„Haste du noch ne Pille?“, fragt mich der Typ neben mich an der Bar. Auf seinem weißen Feinripshirt ist Kohlestaub verschmiert, als wäre er eben noch am Hochkohleofen gestanden. Seine Brustmuskeln spannen so stramm, dass sie das Shirt wohl zerrissen hätten, würde es nicht in seiner Armeehose stecken. Schweiß rinnt von der Schläfe, über die gepircten Brustwarzen, am Bauchnabel vorbei. Beide Arme sind mit winzigen Schriftzeichen über und über bedeckt. Vielleicht aus der Bibel. „Nein“, schrei ich ihm ins Ohr. Es fehlt ein Stück. Wie abgebissen. Sie hatten am Eingang alles durchsucht. Taschen, Geldbeutel, Hosentaschen, Zigarettenschachteln. Gedealt wird trotzdem. Ecstasy und Koks. Es ist elf Uhr morgens. Die Menschen sind berauscht am Leben. An der Musik. An den Lichtern. An den vielen um sich herum. Und an Drogen.

Es wird gefeiert als gäbe es kein morgen. Dabei ist dieser schon längst angebrochen. Spaziergang in Berlin-Mitte, beim Brunchen im Prenzlauer Berg, Joggen im Friedrichshain, Kirchenglocken in Charlottenburg. Tanzen im Rausch.

Die Feiernden sind nicht die, die morgen betrunken an der Currywurst- Bude pöbeln werden. Es sind die Jungen, die in aufstrebenden Unternehmen täglich zwölf Stunden arbeiten. Die sich für ihren Job aufreiben. Die heimkommen und alles vorfinden, wie sie es verlassen haben. Weil für eine Freundin keine Zeit bleibt. Weil der Job verlangt, alle vier Jahre nach Indien zu reisen. Weil es kein Zuhause ist, sondern nur ein Heim.

Diese Jungen, sie haben ein Anrecht auf ihr Wochenende. Auf tanzen. Auf glücklich sein. Auf vergessen. Wer würde es ihnen nehmen wollen?