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Wer trägt die Verantwortung? Doch bitte jeder!

März 8, 2008

Es gibt Sätze, die werden so lange gebetsmühlenartig in Zeitungen wiederholt, bis sie jeder glaubt. Bis sie keiner mehr hinterfragt. Bis sich keiner mehr Gedanken über sie macht. Es sind schöne Sätze, die auf den ersten Blick sehr vernünftig erscheinen, bei genauerer Überlegung jedoch bar jeglicher Vernunft sind. Einer dieser Sätze ist der in der Steuerhinterziehungsaffäre viel zitierte Ausdruck: „Manager haben eine besondere Verantwortung.“ Zu lesen in Tageszeitungen und Zeitschriften landauf, landab. Würde in einem Fragebogen stehen: Stimmen Sie folgendem Satz zu? Kreuzen Sie bitte an. „Manager haben eine besondere Verantwortung? [] Ja [] Nein“ So würden wir zielsicher alle den Kuli über das Ja-Feld bewegen.

Ich war schon jeher einer anderen Meinung. Mein Kuli würde ein dickes, fettes Kreuz bei NEIN machen. Warum ich diese politisch inkorrekte Meinung vertrete? Ich bin bei einer Diskussion mit einem Freund leider daran gescheitert, meine Meinung in verständliche Worte zu kleiden. Ich wollte das Thema schon aufgeben und ad acta legen. Da stieß ich gestern im SZ-Magazin über einen Beitrag, der sich mit dieser Fragestellung beschäftigte. Deshalb werde ich mich beschränken, Passagen daraus zu zitieren und zustimmend zu nicken.

Vorbild sein kann jemand doch nur wegen vorbildhaften Verhaltens, nicht wegen seiner Stellung. Wer die Gesetze bricht oder nur auf seinen Vorteil achtet, ist kein Vorbild, sondern verachtenswert, egal, ob er sonst reich ist, ein Unternehmen lenkt, Musik macht oder am Fließband arbeitet. Die Idee, »die da oben« müssten ein gutes Beispiel geben, halte ich zudem – allein schon wegen der Einteilung oben−unten – für zutiefst undemokratisch; das hinter ihr stehende Gefühl, Mächtige seien bessere Menschen, scheint mir ein Überrest von aristokratischem Denken zu sein, das es zu überwinden gilt. Die Gesetze haben alle gleichermaßen zu achten. Moralisch handeln sollte jeder, egal, in welcher Position. Wer an einflussreicher Stelle sitzt, hat diese Verpflichtungen in doppelter Hinsicht, einmal als Privatmensch und einmal in seiner Funktion – auch gegenüber Untergebenen. Aber er hat sie nicht automatisch doppelt so stark, solange nicht seine Stellung inhaltlich mit erhöhten Ansprüchen verknüpft ist, weil er etwa richtet, predigt oder Gesetze macht.”

Punktum. Schön gesagt. Eifrig mit dem Kopf nick.

2 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. März 9, 2008 11:02 nachmittags

    Hmm – ich bin eigentlich schon der Ansicht, dass mehr Macht auch mehr Verantwortung bedeutet. Jemand dessen Steuerhinterziehung niemanden interessiert wenn sie auffliegt (von Verwandtschaft, Nachbarn und dem Finanzamt mal abgesehen) richtet einfach einen kleineren Schaden an als jemand der eine gewisse Vorbildfunktion hat. Wer an der Spitze einer Organisation steht (egal ob als Manager an der Spitze der Deutschen Post oder als Politiker an der Spitze des Staates) hat automatisch eine Vorbildfunktion. Diese muss er auch annehmen (die ist quasi im Gehalt inbegriffen). Entsprechend haben diese Personen auch eine höhere Verantwortung korrekt zu handeln.

Trackbacks

  1. .die “besondere” verantwortung « .lass deine ohrenflimmern

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