redaktion.jpg

Bis vor einer Woche hatte mein Arbeitstag genau drei Höhepunkte: 1. Redaktionskonferenz, die ich protokollierte. Juhu eine Aufgabe. 2. Mittagspause. Eine Stunde lang raus aus dem Büro und rein in die Kantine, mit Freunden plaudern und den Abend planen. 3. Freierabend! Gelegentlich kam der eine oder andere Höhepunkt in Form von „Hurra meine Kollegin hat Kuchen dabei“ oder „Hurra ich darf den Adventskalender öffnen“ hinzu.

So ist das wohl als Praktikantin, dachte ich mir. Die Erfahrungen anderer Praktikanten schienen meine Meinung zu bestätigen. Die Dreikampfdisziplinen Kaffee kochen, Kopieren und Kurierdienste machen waren bei den meisten meiner Sorte die am häufigsten nachgefragten Fähigkeiten. Mein Chef war zwar verständnisvoll, aber seine Aussagen „Frau K., dürfen wir Ihre Fähigkeiten missbrauchen und Sie bitten, uns einen Kaffee zu kochen“ oder „Ich wäre ja dafür, dass Praktikanten bei uns Geld bekommen. Aber ich habe darauf keinen Einfluss“, änderten nichts an der Tatsache, dass ich erstens unterfordert und zweitens unbezahlt war und blieb.

Hat man nette Kollegen, mit denen man plaudern kann, und einen Internetzugang, über den man Studivz und SpOn empfängt, dann steht einer bequemen Arbeitsstelle nichts mehr im Weg. Noch nie war ich so gut über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ereignisse unterrichtet wie in den vergangenen Monaten während meiner Praktikumszeit. Kein Wunder, meine Haupttätigkeit bestand ja darin, zwischen Spiegel Online, Zeit.de, FAZ, Sueddeutsche, Jetzt, Neon, Studivz, Mailaccount und etlichen Seiten mehr hin und her zu klicken.

Richtig schlimm wird das Praktikum hingegen, wenn die Kollegen dich ignorieren, der Chef ein Ekel ist und du dir mit drei Praktikantenkollegen einen Schreibtisch teilst. Was sich unglaublich anhört, ist durchaus Realität. Natürlich unbezahlt.

Praktikum – bislang hat es mir nur gezeigt, wo ich niemals arbeiten möchte. Ich hab es tatsächlich nicht mehr für möglich gehalten: Aber es geht auch anders!

Seit letzter Woche habe ich gesehen, wie effektiv ein Praktikum sein kann. Neue Stelle, zwar auch kein Geld, dafür jede Menge Spaß an der Arbeit. Die Redaktion beschäftigt eine Sekretärin und Redaktionsassistenten für all die Arbeiten, für die ich in anderen Firmen ausgenutzt wurde: kopieren, Kaffee kochen, Faxe annehmen und beantworten, Termine eintragen. Hier bin ich hingegen vollwertiges Redaktionsmitglied, werde auf Termine geschickt, schreibe Texte. Diese werden dann ausführlich besprochen, damit ich etwas lerne und mich verbessere. Meine Kollegen opfern für mich Zeit, damit ich etwas vom Praktikum habe. Dafür bin ich gerne bereit, vollen Einsatz zu geben und kostenlos zu arbeiten.

DAS ist ein Praktikum wie es sein sollte. Und kein Student sollte meinen, dass schlechte Arbeitsbedingungen automatisch zu einem Praktikum gehören wie Cappuccino zur Milka Schokolade.

(Deshalb entschuldigt bitte, dass ich in dieser Woche meinen Blog nur so spärlich mit neuen Artikeln gefüttert habe. Aber wenn man den ganzen Tag nichts anderes macht, als schreiben, schreiben, schreiben und acht Stunden lang an Worten feilt und um den richtigen Ausdruck ringt, dann will man zu Hause alles mögliche machen  – nur eben nicht mehr schreiben.)

Bildquelle: http://www.lebensrausch.com/content/_data/redaktion.jpg