„Jeder hat im Leben eine zweite Chance. Hier ist deine!“ Mir schwante schon unter dem Weihnachtsbaum Böses, als mein Bruder diese Worte über seine Lippen brachte.
Ich und zweite Chance – das ist noch nie gut gegangen.
Entweder war ich bereits das erste Mal überdurchschnittlich gut, sodass ich mich schon über mein erstes Ergebnis gefreut hatte wie ein tollwütiges Erdmännchen und genau wusste, eine zweite Chance würde den Eindruck, den ich bei der ersten Chance hinterlassen hatte, nur zerstören. Beispielsweise beim Noten-Machen im Sportunterricht. Hochsprung stand an. Ich nahm Anlauf und sprang ganz ganz knapp an der Marke zur Note Eins vorbei. In sämtlichen Probedurchläufen war ich über eine Zwei froh gewesen. Demnach war diese „fast Eins“ nun für mich eigentlich ein absoluter Glücksfall. Doch meine Sportlehrerin lies sich nicht beirren und gab mir eine „zweite Chance“. (An dieser Stelle bitte das Geigenquietschen aus Psycho dazu denken.) Natürlich offenbarte die zweite Chance das, was für mich schon lange klar war: Das wird einfach nix mehr!
Oder ich habe es das erste Mal schon nicht hinbekommen. Welche Logik soll zum Teufel dafür sprechen, dass es ein zweites Mal klappt? Hier sei nur das Phänomen „Exfreunde“ erwähnt. Wenn man schon Wochen und Monate dafür gebraucht hat, festzustellen, dass man nicht zueinander passt, warum greift man auf das Teufelszeug „zweite Chance“ zurück, nur um festzustellen, dass man tatsächlich nicht zueinander passt.
Besonders fies auch die Version „zweite Chance“ a la Herr Thiem. Der war mein Lateinlehrer. Einmal erwischte es mich bei der Vokabelabfrage eiskalt, ich hatte nicht gelernt und mich nur zu einer 4 hingestottert. Herr Thiem war von mir sonst so guter Schülerin „sehr, sehr enttäuscht“. Am nächsten Tag gab er mir eine „zweite Chance, um die schlechte Note wieder auszubügeln“. Klingt soweit so nett. Nur erinnere sich bitte jeder einmal kurz an seine Schulzeit. Der Tag, nachdem man abgefragt wurde, hatte man GAR nicht gelernt, weil zweimal hintereinander kommt man ohnehin nicht dran. Es sei denn, man bekommt eine „zweite Chance“. So wie ich damals.
Zweite Chance vertue ich also wie die oben genannten Beispiele schon zeigen, grundsätzlich.
Deshalb – um wieder zum Anfang der Geschichte zu kommen – hatte ich von Anfang an ein mulmiges Gefühl beim Weihnachtsgeschenk meines Bruders. Es war nämlich erneut eine Pflanze in einer Dose. Eine Petunie hatte ich bereits im Oktober erfolgreich zu Grunde gerichtet. Ein verhältnismäßig pflegeleichter „Christmas Tree“ sollte nun von mir groß gezogen werden.
Nach 15 bis 20 Tagen sollte er keimen. Tat er auch. Aber seitdem, und das war vor vier Wochen, sind die grünen Hälmchen keinen Zentimeter mehr gewachsen. Von „Baum“ ist weit und breit nichts zu sehen. Wenn die Hoffnung nicht obsiegen würde, dass aus “Hälmchen” mal ein “Stamm” wird, dann könnte man es glatt für Unkraut halten…
Februar 26, 2008 at 4:40
Ich halte auch nichts mehr von Pflanzen aus Dosen oder so, weil mein Kleeblatt ist auch nichts geworde, obwohl es so intensiv von mir gepflegt würde,was ich für eine Pflanze noch nie getan habe. Doofding.das.