Kaum bin ich vier Monate im Job, schon wurde das geräumige Internetcafé, in welchem ich mit meiner jungen Kollegin zusammen sitze, stillschweigend zum „Tratsch-Kaffee-und-sonst-auf-irgendeine-Art-von-der-Arbeit-drück-Raum“ entwickelt. Im halben Stunden Takt guckt der eine oder andere Kollege herein und bleibt. Meistens „um einfach mal zu hören“. Oder um Zeitung zu lesen und Kaffee zu trinken. Oder um aus dem Fenster heraus die Scharfschützen auf dem gegenüberliegenden Dach zu begutachten und über den Sinn und Unsinn von Olmerts Besuch zu diskutieren. Gründe gibt es viele und jeder findet einen.

socken.jpgStellt sich die Frage, Wie konnte das einst so produktive Intenetcafé innerhalb kürzester Zeit eine solche Wandlung erfahren? Sämtliche Analogien meines Erscheinens in diesem Raum und dessen Umfunktionierung möchte ich mir im Vornherein verbitten.

Es könnte daran liegen, dass hier Musik läuft, die meine Kollegin und ich abwechselnd mitbringen. Es könnte auch daran liegen, dass sich unser Büro eher in der Peripherie des Referates befindet und daher nicht so häufig von der Chefin frequentiert wird. Es könnte ferner daran liegen, dass ich den Speiseplan der Kantine für den jeweiligen Tag im Kopf habe und auch gerne allen mitteile.

Ich vermute aber, es liegt an unseren interessanten Gesprächen. Beispiel aus dem gestrigen Tag: „Was halten wir von Menschen, die lilafarbene Socken tragen?“ Meine Chefin hat des öfteren solche an. Wobei wir auch beim Thema wären, zu dem ich mich eigentlich äußern wollte: Meine Chefin.

Meine Chefin sagt:
„Das müsste man mal recherchieren.“
Meine Chefin meint:

„Bis morgen will ich von Ihnen die Ergebnisse auf dem Tisch.“

Meine Chefin sagt:
„Frau K., haben Sie das auf dem Schirm?“
Meine Chefin meint:
„Gut, dass wenigstens einer daran denkt.“

Meine Chefin sagt:
„Wie lange haben Sie heute vor zu bleiben?“
Meine Chefin meint:
„Warum waren Sie gestern schon um 15.30 Uhr weg? Heute nicht vor 17 Uhr!“

Meine Chefin sagt:
„Ich habe einen Anschlag auf Sie vor!“
Meine Chefin meint:
„Ich habe einen Anschlag auf Sie vor!“ (Wobei sich der Anschlag zumeist in Form von hässlicher Arbeit äußert. Eine Streubombe wäre mir manchmal lieber.)

Meine Chefin sagt:
„Frau K. machen Sie das?“
Meine Chefin meint:
„Frau K., das machen Sie!“

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