1…2….3… Schallalalalala! Ich lasse meinen Blick über Tische gleiten, auf denen Pappbecher mit Bier stehen. Konfetti klebt mittlerweile nicht nur in Haaren und an Schuhen, sondern rieselt langsam meinen Bauch hinab, nachdem mir ein fröhlicher (sturzbetrunkener) Kollege aus der IT-Abteilung eine Handvoll in den Ausschnitt gesteckt hat. „Prooostata“, tönt es hinter mir und schon habe ich auch einen Pappbecher in der Hand.

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Ja, ich hasse Fasching – und jetzt weiß ich auch wieder, warum.

Wo vor einigen Stunden noch die Bundestagskantine war, ist nun der Vorhof zur Hölle. Wo vor einigen Stunden noch Anzugträger die dickflüssige Grünkohlsuppe auslöffelten, hoffen nun mit roten Pappnasen verkleidete Putzfrauen, die Grünkohlsuppe nachher nicht in modifizierter Form vom Boden wischen zu müssen.
“Wir sind Bonner Frohnaturen“, singt es hinter mir, „Schalalalala!“ Als der Bundestag vor neun Jahren von Bonn an die Spree gezogen ist, haben die Verwaltungsmitarbeiter die fünfte Jahreszeit in einen Karton gepackt, in die Ecke gestellt und heute wieder hervorgezerrt.
Wie ein wildgewordener Kasper sprang der kollektive Wahnsinn aus dem Karton und breitete sich in Form von Weiberfasnacht im ganzen Bundestag aus: Um 13 Uhr wurde das erste Bier gezischt, an Krawatten gezerrt und der Chef geküsst. Ganz vorne dabei, meine Chefin mit schriller Stimme und noch schrillerem Rock.

Eine Polonaise zieht durch unseren Gang. „Tätä – Tätä – Tätä!“ Mein sonst wie eingefallen wirkender Kölner Mitpraktikant ist kaum wiederzuerkennen. Er krallt als erstes am dicken Hintern der Polonaisen-Letzten fest. Die ganze Abteilung zieht nun mit der Polonaise in Richtung Kantine. Warmes Bier schwappt mir in den Nacken. Zum Teufel, wer hat eigentlich gesagt, dass wir jetzt alle „SPRINGEN UND DIE BEINE SCHÜTTELN“?

Bildquelle: http://flickr.com/photos/andih/345863998/