Ein bisschen Henker, ein bisschen Foltermeister und ein bisschen Voyeur steckt in jedem von uns. Und keiner weiß das besser, als das Privatfernsehen.
Wer hätte früher nicht die Hexen brennen, die Könige hängen und die Ketzer schreien hören wollen? Da unser Menschenrechtsverständnis uns dies verbietet, schauen wir TV. Eine quiekende Ratte, die sich in der Oberlippe eines alternden Fußballspielers verbeißt.
Ein krächzende DSDS-Kandidat, dem gnadenlose Talentfreiheit attestiert wird. Irgendetwas findet sich immer, was anderen Menschen körperliches und seelisches Leid zufügt und somit unser Gemüt erfreut.
RTL II wird demnächst nun eine neue Folter-Show einführen. Das Format wird „Nichts als die Wahrheit“ heißen und der Name ist Programm. Das Konzept sieht so aus: Der Kandidat muss 21 Fragen beantworten. Es handelt sich um intime und pikante. “Haben Sie Ihren Eltern schon einmal Geld gestohlen?”, “Glauben Sie, dass Sie klüger sind als Ihr Chef?” oder “Würden Sie Ihren Ehemann noch einmal heiraten?”. Ein Lügendetektor überprüft den Wahrheitsgehalt der Aussage des Kandidaten. Schlägt der Lügendetektor aus, scheidet der Kandidat sofort aus – beantwortet er alle 21 Fragen wahrheitsgemäß, dann winkt ein Gewinn von 25.000 Euro. Das Gemeine an der Sache: Freunde und Verwandte sitzen mit im Studio.
Mit diesem Format, finde ich, überschreitet RTL II allerdings eine moralische Grenze. Natürlich kann man sagen: Die Kandidaten sind doch alle freiwillig dort. Es wird keiner zu der Sendung gezwungen. Doch wer wird sich um die 25. 000 Euro bewerben? Natürlich diejenigen, die es dringend brauchen: Hartz-IV-Empfänger, Verschuldete, Arbeitslose. 25.000 Euro sind viel Geld. Dafür sein Intimleben vor Millionen von Zuschauern zu präsentieren, ist ein hoher Preis. Doch es gibt sicher einige, deren Not noch größer ist und die sich dafür verkaufen werden.
Es ist billig und schäbig von RTL II Not und das Elend der Menschen auf eine solche Weise schamlos auszunutzen!
Bildquelle: http://www.rewi.hu-berlin.de/AKJ/zeitung/05-1/grafik/folter.jpg