poster_lg01.jpgGlück in der Liebe bedeutet nicht, einen Menschen kennenzulernen und mit ihm den Rest seines Lebens zu verbringen. Es bedeutet vielmehr, die Momente zu genießen, die man mit einem anderen teilen darf.

Lovesongs von gestern, sind kalter Kaffee.*

Das ist zumindest die Botschaft des Films „Once“, der momentan in den deutschen Kinos läuft. Gestern gesehen bin ich immernoch verzückt über einen solch ehrlichen Film. Der Inhalt ist schnell erzählt: Erfolgloser Straßenmusikant trifft in Dublin eine tschechische Pianistin, die sich mit Gelegenheitsjobs rumschlägt. In der Musik erkennen sie eine gemeinsame Leidenschaft. Kategorie: „Mann trifft Frau und sie verlieben sich.“ Klingt unspektakulär, der Hollywoodbaukasten hat aus diesem Thema bereits tausend verschiedenen Variationen gezimmert.

Wenn du betrübt bist, dann geht es mir schlecht. Und wenn du verliebt bist, dann gilt das erst recht.*

Doch „Once“ ist anders. In zwei Wochen hat Regisseur John Carney den Film mit einem Budget von nur 150 000 Dollar abgedreht. Die Schauspieler haben so gut wie keine Erfahrung vor der Kamera, man kann sie nicht wirklich hübsch nennen – guter Durchschnitt vielleicht. Menschen, die man eben in jeder Straßenbahn treffen könnte. Aufnahmen in Wohnungen sind häufig schlecht ausgeleuchtet, die Farben blass und das Bild gröbkörnig. Die Aufnahmen wackeln, als wäre alles mit einer Handkamera gedreht worden. Ich weiß nicht, ob dies der Absicht oder dem geringen Budget geschuldet ist.

Aber all diese „Effekte“ bewirken eines: Sie lassen den Film wie mitten aus dem Leben entstehen. Der Zuschauer schaut auf das Elend einer techischen Einwandererfamilie, auf Junkies, die Straßenmusikanten beklauen und in enge Reparaturstuben. Selbst die Dialoge wirken wie vom Leben abgeschaut: So sagt der Straßenmusiker immer „Verstehe“, selbst wenn er gar nicht verstehen kann, warum ihn die Tschechin versetzt oder ohne einen Grund zu nennen ein Treffen ausschlägt.

Doch große Worte, will ich vermeiden, dafür bin ich viel zu bescheiden.*

Oder der Moment, in dem die Tschechin zugibt, verheiratet zu sein und ein Kind zu haben –Worte, die den Straßenmusiker treffen – nicht von Geigengedöns und dramaturgischem Schluchzen beleitet wird, sondern unprätentiös auf einem Spaziergang zwischen anderem Geplauder ausgetauscht wird. So ist das Leben eben: Es hält nicht an und auch die Welt macht keine Pause, nur weil einem eine verletzende Wahrheit offenbart wird.
Doch Worte sind ohnehin nicht das Entscheidende in diesem Film. Es ist die Musik. Musik, die das ausdrückt, was die beiden Protagonisten nicht sagen können, wollen und nicht müssen.

Wenn du nur wüsstest, wie ich dich vermisse, wie gern ich dich küsste, und wie sehr mir das fehlt.*

Nach und nach entspinnt sich so durch die Musik eine feine Liebesgeschichte zwischen dem namenslosen Straßenmusiker und der im Film ebenfalls nicht namentlich definierten Tschechin. Eine Liebe, die beide empfinden, die aber ohne Kuss oder gar Sex auskommen kann. „Mit dir nach Hause zu gehen wäre schön, aber es wäre sinnlos“, wie die Tschechin sagt. Die Theorie, dass es sinnlos wäre, in eine Liebe zu investieren, die von vorneherein zum Scheitern verurteilt zu sein scheint (sie verheiratet, er emotional an Exfreundin gebunden), halte ich persönlich für fragwürdig.
Unfragwürdig jedoch ist dieser Film zu kurz: Nach 85 Minuten wird man aus dem Film herausgesungen und findet sich wieder zurück in seiner Welt, die vielleicht gar nicht so anders ist als die Welt, in der dieser Film spielt. Und genau das ist das Gute an diesem Film.

 

* aus dem Lied „Wenn du nur wüsstest“ von anajo

Bildquelle: http://www.moviemaze.de/media/poster/2183/1/once.html