Achtung, Achtung: Der 45-jährige Herbert möchte bitte von der Karstadt-Unterwäsche-Abteilung abgeholt werden!

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Der Samstag vor Weihnachten hat ja immer ein bisschen was Skurriles an sich. Die Stadt wird dann nämlich nicht wie in den vorweihnachtlichen Shoppingtagen von Rentnern (Samstags von 8 bis 20 Uhr), Schülern (montags bis freitags 8 bis 13 Uhr) und Touristen (13 bis 22 Uhr) belagert, sondern von der Spezie der „Männer“.

Jawohl, die Geschäfte am Samstag vor Weihnachten gehören den Männern. Bevorzugt den Anzugträger-Typen, denen ihre beruflichen Aufgaben (Bahnstreik abwenden oder 8 000 Menschen bei BMW rausschmeißen) weniger Schweiß auf die Stirn treibt als der Gedanke an weihnachtliche Wühltische. Scheinbar völlig ziel- und planlos schweifen sie zwischen Douglas und der Unterwäscheabteilung von Karstadt hin und her. Ein nervöser Blick auf die Uhr ist ihr ständiger Begleiter. Denn die Zeit tickt… nur noch zwei Tage. Nur noch ein Einkaufstag bis Heilig Abend und das Geschenk für die holde Dame ist noch in weiter Ferne. Ach i wo, in weiter Ferne, noch nicht einmal die Idee eines Geschenkes will einem Silberstreifen gleich am Horizont auftauchen.

Als unbeteiligter Zuschauer, der spätestens seit dem zweiten Advent alle Präsente schick verpackt in der Schublade liegen hat, schwankt man zwischen zwei Gefühlen beim Anblick der verzweifelten Einkäufer: Mitleid und Schadenfreude.

Es ist ein bisschen die Situation wie zur Sonnenfinsternis, als sich mein Nachbar mit sämtlichen auf dem freien und schwarzen Markt verfügbaren Gerätschaften eingedeckt hat (Brillen zum kleben, stecken und selber basteln, Alufolie, Teleskop, Sternenkarte, Erklärbuch, Spiegel-Dossier-Sonnenfinsternis, Count-Down-Gerät). Als es aber soweit war, Nachbar auf dem eigens präparierten Balkon Aufstellung genommen hatte und den Blick gen Himmel wendete, genauso viel oder wenig sah, wie ich ohne Brille und ohne Schnickschnack – nämlich nur eine dicke, graue Wolkendecke.

Man möchte gerade heraus lachen, aber irgendwie rührt einen diese Unbeholfenheit doch auch an.
Ja, so geht es uns Frauen, die wir im Leben schon einige Einkaufsschlachten erfolgreich geschlagen habe, wenn wir am heutigen Samstag euch Männer durch die Kaufhäuser irren sehen. Man möchte euch den korallenroten Seiden-Spitzen-String in Größe 34 aus der Hand reißen und durch einen in Größe 40 ersetzen. (Habt ihr eure Frau in den letzten 20 Jahren überhaupt mal angeschaut?) Man möchte euch von der Rolltreppe heraufzerren, die ins Untergeschoss und damit zielsicher zu Teller, Töpfen und Pfannen führt. Und man würde euch gerne verraten, dass ein Parfüm für 9, 90 Euro niemals gut riecht.

Wenn es doch nicht so lustig wäre, wie die 50-jährige, dickbusige Verkäuferin von Karstadt euch durch die Unterwäscheabteilung zerrt und ganz in ihrem Element erklärt, auf wie viel Grad man Seidenschlüpfer wäscht, welche Partien eine Korsage kaschiert und warum die Größe „na M halt“ nicht auf den BHs zu finden ist.

Und wenn es nicht so lustig wäre, wie Männer jedes kleine bunte Schächtelchen in die Hand nehmen, drehen, wenden und wieder hinstellen, weil sie nicht wissen was „Déodorant Parfumé – Fraîcheur Intégrale Corps-Cheveux Deo-Spray für Haut und Haare“ genau ist und ob sich die Frau das tatsächlich gewünscht hat.

Und wenn es nicht so lustig wäre, Männer mit deprimiertem Blick aus den Geschäften schleichen zu sehen, weil das Christkind wohl doch wieder einen Gutschein bringen wird….


In diesem Sinne liebe Männer: Auf in den Kampf. Der Countdown läuft. Die Geschäfte haben noch bis 22 Uhr geöffnet!